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Auch wenn’s manchmal weh tut

Ganz schön eng hier. Sven Osada zwängt sich in seinen Wagen. Auf Beinfreiheit muss er verzichten. Und beim Ausflug hofft er inständig, dass er bei holpriger Strecke mit dem Kopf nicht ständig an das Autodach stößt. Autsch! Dieses Auto war offensichtlich ein Fehleinkauf, würden nun viele meinen. Doch der Hünxer findet: Sein 50 Jahre altes Goggomobil ist es wert zu leiden. Das geht gemeinsam sogar noch besser: In Hünxe gründete Sven Osada den Oldtimer-Stammtisch Niederrhein.

Wem ein bequemes und schnelles Auto wichtig ist, macht also besser einen großen Bogen um Oldtimer. Am besten sofort Platz nehmen in einem betagten Auto sollte aber, wer nach einem intensiven Fahrgefühl sucht – was gar nicht ironisch gemeint ist.

Foto: Sven Osada

Oldtimer mit Gesicht

Denn durch das topisolierte Auto, eine perfekte Ausstattung mit bequemen Sitzen in der Qualität von Wohnzimmersesseln und Hightech-Stoßdämpfern bleibt heute im wahrsten Sinne des Wortes vieles auf der Strecke. Ein „Gefühl“ für Fortbewegung zeigt allenfalls noch der Tacho an.

Die Nähe zur Wirklichkeit – also zu Wind, Fahrbahn und Geschwindigkeit – all das bietet aber der Oldtimer. „Man spürt das Fahrzeug und auch die kleinen Wehwehchen“, schwärmt Sven Osada. Und es ist individuell „es hat seinen eigenen Charme. Jeder Oldtimer hat noch ein Gesicht.“ Es gibt einfach mehr Ecken und Kanten, Chrom und Mut zur Zierde.

Foto: Sven Osada

Schätzchen ohne Grenzen

Gute Gründe für den Sven Osada, ins Schwärmen zu kommen. Woraus nun ein Schwarm wurde: Denn Mitstreiter für den Stammtisch fand er viele. Bis zu 35 Oldtimer-Fans aus dem Kreis Wesel, Bocholt, Borken und sogar aus Oberhausen pilgern zum Stammtisch. Der Jüngste ist 16, der Älteste über 70 Jahre alt.

Anlass zum Staunen bieten die Treffen reichlich. „Vertreten sind Oldtimer aus den USA, aus Italien, Frankreich, Großbritannien und natürlich aus Deutschland.“ Die ganze Palette, sozusagen. Aber nicht nur Besitzer von Wagen sind willkommen. Auch Fans von Motorrädern, Mofas und Rollern machen beim Stammtisch halt. Weil es sich um keinen Verein handelt, ist alles ganz locker, fern von irgendwelchen Regularien.

Foto: Sven Osada

Ein munterer Plausch

Und so wird munter geplauscht. „Was der eine nicht weiß, das weiß der andere. So lernt man ständig hinzu“, erklärt Sven Osada die Vorteile des Stammtisches. Ganz wichtig, weil es viele Ersatzteile gar nicht mehr gibt und Kreativität gefragt ist. „So fingen wir an, für unsere Oldtimer eigene Innenausstattungen und Kabelbäume herzustellen.“

Der Hünxer hat im Laufe seiner Oldtimer-Leidenschaft – die übrigens Anfang der 1990er Jahre begann, als auch seine Eltern die alten Schätzchen schätzen lernten – schon zahlreiche Fahrzeuge restauriert. Zum Beispiel Modelle wie BMW Isetta, NSU Quickly, Goggomobil und Fiat 500. Darunter war auch einmal ein VW T1 von 1966, der vorher als Krankenwagen diente. „Eines ist sicher, man fällt mit den Fahrzeugen auf.“

Foto: Sven Osada

Am besten am Niederrhein

Und wo kann man dem Oldtimer-Hobby bestens frönen? Am Niederrhein! „Er eignet sich hervorragend. Es gibt so schöne Plätze am Niederrhein, wohin man fahren kann.“ Das war auch der Grund, warum Sven Osada den Stammtisch Niederrhein gründete. Wer auch Kurs auf Oldtimer nehmen möchte, ist zu den Treffen jeden dritten Freitag im Monat, ab 18 Uhr im Lokal „Tacheles“ in Hünxe willkommen. Und, wie gesagt, es kommt nicht auf Luxuskarossen an. Dann lieber einen Oldtimer mit besagten Ecken und Kanten.

Michael Vehreschild