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Gute Aussichten für die Landesgartenschau 2020

Für die einen ist der Förderturm Kamp-Lintforts ein Wahrzeichen und ein Stück Zechen-Geschichte – oder schlicht Heimat. Aus Sicht der Abriss-Befürworter ist er nichts Besonderes, Erhaltenswertes und verursacht vor allem Folgekosten. In einer Befragung sprachen sich aber zwei Drittel der Kamp-Lintforter im vergangenen Jahr für den Erhalt des Zechenturmes aus. Zur Landesgartenschau 2020 in der früheren Bergbaustadt könnte er nun zu einem touristischen Highlight werden. NRlive sprach mit Kamp-Lintforts Bürgermeister Christoph Landscheidt über die Zukunft des Turms.

Christoph Landscheidt, Bürgermeister von Kamp-Lintfort

NRlive: Warum ist der Erhalt des Förderturmes für seine Befürworter eine gute Nachricht?
Christoph Landscheidt: Weil er eine Landmarke und für die frühere Bergbaustadt Kamp-Lintfort zugleich ein „Wahrzeichen“ ist, das an die stolze Bergbautradition unserer Stadt erinnert und schon von Weitem zu sehen ist. Während es zahlreiche Fördergerüste im Ruhrgebiet gibt, ist dieser Förderturm in Kamp-Lintfort ein in dieser Form einzigartiger Industriebau. Als Ensemble mit dem älteren Fördergerüst bildet er zudem einen besonderen städtebaulichen Akzent auf dem geplanten Quartiersplatz im gerade entstehenden Stadtteil „Friedrich-Heinrich“, wo früher die gleichnamige Zeche stand.

NRlive: Warum ist der Erhalt des Förderturmes für dessen „Gegner“ keine gute Nachricht?
Christoph Landscheidt: Das müssen Sie die Gegner fragen.

NRlive: Wie sehen Sie persönlich den Erhalt?
Christoph Landscheidt: Ich habe mich über die enorme Beteiligung an der Bürgerbefragung und über das eindeutige Votum für den Erhalt des Turmes von zwei Dritteln der Stimmen sehr gefreut.

NRlive: Welche Nutzung wird es nun geben? Soll der Förderturm auch touristisch interessanter werden?
Christoph Landscheidt: Der Förderturm soll als befahrbarer Aussichtsturm genutzt werden. Etwa 190 Besucherinnen und Besucher pro Stunde können von dort einen einzigartigen Blick auf die Landesgartenschau und weit über den Niederrhein genießen. Weitere touristische Nutzungen der verschiedenen Etagen sind möglich, aber derzeit, ebenso wie andere kommerzielle Vermarktungen, noch nicht geplant.

NRlive: Wie hoch ist der Aufwand für die Sanierung des Förderturmes und wer trägt die Kosten? Welche Bautätigkeiten sind zu realisieren?
Christoph Landscheidt: Rund 1,2 Millionen Euro sind einmalig notwendig, um den Beton und die Glasfassade so zu sanieren, dass der laufende Aufwand minimiert wird. Für den Umbau zu einem Aussichtsturm müsste in etwa ein Betrag in ähnlicher Höhe investiert werden. Hierfür beabsichtigt die Stadt, Fördermittel zu beantragen. Auch die RAG wird ihren Beitrag zum Turm leisten, und eingesparte Abbruchkosten von 1 Million Euro an die Stadt auskehren. Langfristig kostet der Turm in der Bauunterhaltung nach Schätzung der Gutachter rund 32.000 Euro im Jahr. Hierfür kann die Stadt aus der Zahlung der RAG Rückstellungen bilden und muss wahrscheinlich erst im Jahre 2033 aus dem Haushalt den Förderturm finanzieren. Nicht berücksichtigt sind dabei Einnahmen aus touristischer oder sonstiger Vermarktung.

NRlive: Welche Schritte folgen nun bis zur Fertigstellung des Förderturmes? Wann wird der Förderturm fertiggestellt sein?
Christoph Landscheidt: Wenn der „Kaufvertrag“ beurkundet ist, die Landesfördermittel konkret beantragt sind und die BaFin erwartungsgemäß der Auskehrung der Rückstellungsmittel zugestimmt hat, sind zunächst die Planungsleistungen zu vergeben und die Ausschreibungen vorzubereiten. Dies ist für die gesamte Maßnahme für 2018 vorgesehen. Im Jahr 2019 erfolgen die Baumaßnahmen mit den Abschnitten Betonsanierung, Aufzugstechnik, Erschließung und Brandschutz.

NRlive: Welche Bedeutung hat der Förderturm für die Landesgartenschau 2020?
Christoph Landscheidt: Der Förderturm wird für die Besucherinnen und Besucher der Landesgartenschau sicherlich ein besonderes Highlight sein. Schließlich kann man mit der Turmfahrt einen wunderbaren Blick von oben auf das Veranstaltungsgelände genießen und nicht nur auf das Kloster Kamp, sondern den Niederrhein und das westliche Ruhrgebiet schauen. Bergbaugeschichte wird zudem durch die beiden Fördermaschinen, die im Turmgebäude oben stehen, erlebbar.

NRlive: Vielen Dank für das Gespräch!

Seit 2013 ist Schicht im Schacht
Nach dem Teufbeginn als Schacht 1 der Zeche Friedrich-Heinrich erfolgt 1912 die erste Tagesförderung mit 50 Tonnen Kohle. Zwischen 1955 und 1958 wurde das vorhandene Stahlfördergerüst mit Stahlbeton umbaut, um die Förderleistung zu erhöhen. Der „neue“ Turm war seinerzeit mit 21.000 Tonnen Steinkohle pro Tag die modernste und leistungsstärkste Vierseilförderanlage der Welt. 2001 wurde das Steinkohlenbergwerk Teil des Bergwerks West der RAG. Am 31. Dezember 2012 war Schicht im Schacht an der Friedrichstraße in Kamp-Lintfort. Hiermit endete auch die Geschichte des Steinkohlenbergbaus am linken Niederrhein. Nun also wird es eine Folgenutzung für den Förderturm geben.

 

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